Schwamm, induktiv, eigener Gedankengang
Ich möchte euch einige Tipps geben, die sich u. a. auf gelungene und misslungene Beispiele aus zahlreichen Prüfungen von Mitschülern beziehen, weil diese lediglich vorgetragen haben, ohne sich auf vorbereitete, mitgebrachte Bilder, Modelle und Gegenstände zu beziehen und weil die Sätze selbst auch keine Bilder im Kopf der Zuhörer erzeugen konnten.
Im Laufe meines kleinen Vortrages soll hauptsächlich klar werden, was
ich mit ......Bildorientierung..... meine.
Bei den Tipps ist mir auch der Gedanke wichtig, dass ihr mit Etwas in die Präsentation geht, das den eigenen Vortrag strukturiert und auf das ihr euch mehrfach beziehen könnt, z.B. dann, wenn ihr aufgeregt seid, den Gedankengang „verloren“ habt, einen wichtigen Sachverhalt gerade nicht erinnert. Außerdem helft ihr uns Zuhörern mit einem solchen „Etwas“, dem Vortrag aufmerksam zu folgen. Wir erhalten so nämlich zahlreiche Anknüpfungspunkte für eure Darlegungen und Schlussfolgerungen. Wir sind in euren Denkprozess einbezogen.
Wir können uns "ein Bild machen" von dem, was ihr herausgefunden habt und was ihr uns darlegen wollt. Das gilt sicher auch für einen von uns Lehrern gut erteilten Unterricht, also dass ihr euch ein eigenes Bild machen könnt und das eigene Bild im Gehirn speichert, mit bereits Gelerntem verbindet.
Mein „Etwas“ hier im Beispiel ist ein Tafelschwamm. Er kommt in meinem Vortrag wiederholt vor. Er ist der Ausgangspunkt für meine Kernüberlegungen. Mit ihm kann ich meine Gedanken induktiv ordnen, weil er der von mir herausgefundene und verstandene Wissenskern ist. Außerdem kann ich diesen "Schwamm" gut gebrauchen, um Wissensbestände zu meinem Rahmenthema „Der Wald als Wasserspeicher“ anschaulich zu bearbeiten und einzugrenzen.
Meine Fragestellung soll heißen:
Wieso bleibt das Regenwasser so lange im Waldboden?
Den Schwamm benutze ich als Modell, um die Beschaffenheit des Waldbodens zu erklären.
Im Waldboden sind nämlich Pflanzenreste, Sandkörner, Steinchen und Erdstücke locker zusammengeschlossen. Ein Netz feinster Fäden hält diese Teile zusammen.
Die Fäden, das sind die Wurzeln der Bäume, Sträucher und Bodendecker sowie die Bodengewebe der Pilze. Die Fachbegriffe für diese Fäden heißen Haarwurzeln und Myzell. Die Art der Verbindung bezeichne ich als Netz.
1. Ein Tafelschwamm besteht auch aus vielen kleinen Fäden, die mehr oder weniger dicke Fadenbündel bilden. Die Fadenbündel wiederum sind ineinander verflochten. Im Schwamm sind Hohlräume zu erkennen. Diese sind im Waldboden durchaus kleiner, das ist aber für den Vortrag unwesentlich.
Der Schwamm ist also durchaus das Modell, das das Grundmuster des Waldbodens verdeutlicht, und so ein Modell kann ruhig in einigen Einzelheiten vom Original abweichen. Beim Modell „Schwamm“ ist zudem noch hilfreich, dass es vereinfacht, denn komplizierte Sachverhalte und Zusammenhänge lassen sich auf einen Kern reduzieren:
Fäden, Bündel, Netze
Für den Waldboden kann ich feststellen:
- Zwei Arten von Fäden lassen sich unterscheiden, die Bündel bilden.
- Diese Bündel sind netzartig verflochten.
- Die Netze halten Sand und Erdstücke.
2. Mit Fäden, Bündeln und Netzen habe ich aber noch nicht erklärt, wieso das Wasser im Schwamm bleibt. Zur Antwort muss ich auf Wissen aus der Chemie zurückgreifen, z. B. über die Oberflächenspannung von Wasser und weitere Eigenschaften von H²O.
Um mein Etwas noch stärker als Modell herauszustellen, baue ich ein kleines Experiment in meinen weiteren Vortrag ein. Ich lege den Schwamm in eine Schale, die im Boden feine Löcher aufweist. Ein viertel Liter Wasser gieße ich gleichmäßig und langsam auf den Schwamm. Zuvor hatte ich bei einigen Experimenten die Zeit gemessen, in der diese Menge Wasser aus Schwamm und Schale gelaufen war. Jetzt kann ich meine Zuhörer einbeziehen und sie bitten, die Minuten zu schätzen, in der das erste Achtel Wasser und dann das zweite Achtel ablaufen werden und sich darunter in einer weiteren Schale sammeln.
...
Könnt ihr meinen Gedankengang nachvollziehen?
Von einem Bild ausgehend die Zuhörer dazu veranlassen, eigene Bilder im Kopf zu erzeugen - um das zu erreichen, gehe ich von einem Modell, meinem Etwas aus, das ich zum Vortrag mitgebracht habe. In diesem Herangehen an den Vortrag, im Etwas steckt die Bedeutung des Begriffes "induktiv". Inducere heißt hineinführen, induktiv bedeutet, von einem Beispiel, einem beschriebenen Gegenstand oder Sachverhalt ausgehend einen Gedanken entwickeln.
Mehr darüber und über die Abgrenzung zum Begriff "deduktiv" erfahrt ihr, wenn ich euch das kleine Experiment im Klassenraum vorführe und erläutere.
Lasst mich hier zusammenfassen, was ich unter Bildorientierung verstanden wissen möchte:
Ich ordne meine Gedanken, indem ich induktiv vorgehe.
Ich lege die Entstehung meines Untersuchungsergebnisses anschaulich dar.
Beides meint der Begriff "Bildorientierung".