Der Aufsatz bietet ausgezeichnete Hintergrundüberlegungen für unsere Zieldiskussion
und die Konzeptionierung des Schulversuchsantrages. Die beiden Kapitel habe ich ausgewählt,
weil sie einige Begriffe und Begriffskopplungen sehr gut erläutern. JF, 16.04.05
Für uns sind die folgenden Fachbegriffe bzw. Begriffskopplungen wichtig:
- innovatives Lernen mit den Hauptkomponenten Antizipation und Partizipation
- sich den Herausforderungen der wachsenden Komplexität stellen
- systemisches Denken und selbstorganisiertes Lernen
- Lernen für den Wandel und mit dem Wandel (entwicklungsbegleitendes Lernen)
- Lernkompetenz als die Fähigkeit zu selbständigem Lernen
- zukünftige und gegenwärtige Wirklichkeiten
Zwei Unterkapitel aus dem Vortrag von Peter Meyer-Dohm
für die DGCoR Konferenz in Frankfurt, 1. März 2004
(als PDF-Datei aus der CoR-Website aufrufbar)





Die Club of Rome-Schule - eine Antwort auf die globalen Herausforderungen

2.4 Herausforderungen des Lernens

Im Vordergrund steht also die Notwendigkeit, die Antworten auf globale Herausforderungen mit den Antworten auf nationale, regionale und lokale in Einklang zu bringen oder eine integrale Problemsicht zu entwickeln. Das ist leicht gesagt, aber in einer komplexen, einer unübersichtlichen Welt ständigen Wandels nur zu leisten durch neue Formen des Lernens. Unsere Welt ruft nach Gestaltung und wir sind verantwortlich.
In dem Bericht an den Club of Rome mit dem Titel Das menschliche Dilemma – Zukunft und Lernen (Original: No Limits to Learning: Bridging the Human Gap) schreiben die Autoren: "Das Lernverhalten des Menschen muss sich von der Form der unbewussten Adaption auf die Form der bewussten Antizipation verlagern" und somit zu einem "innovativen Lernen" werden, um auf die Herausforderungen der wachsenden Komplexität angemessen zu reagieren (Botkin / Elmandjra / Malitza 1981, S. 40). Antizipation ist dabei die Fähigkeit, "sich neuen, möglicherweise nie zuvor da gewesenen Situationen zu stellen; sie ist der Prüfstand für innovative Lernprozesse" (ebenda, S. 52). Wohin geht die Entwicklung? Wohin führt der Wandel? "Antizipation ist weit mehr, als ein Ereignis vorhersehen zu können. Sie beinhaltet die Verantwortung, die unserer Beeinflussung und Steuerung künftiger Ereignisse innewohnt. Sie ist darum weit mehr als die Berechnung der Wahrscheinlichkeit. Antizipation bedeutet, die Zukunft so weit wie möglich zu gestalten und Pläne und Aktionen zu ihrer Verwirklichung auszuwählen" (ebenda, S. 56). Voraussetzung sind systemisches Denken und selbst gesteuertes, selbst organisiertes Lernen.
Diese Art des Lernens ist die unumgängliche Antwort auf die vielfältigen Herausforderungen in einer Welt ständigen Wandels, dessen Richtung und Ergebnisse sich nicht eindeutig im Voraus bestimmen lassen. Es geht im Leben des Einzelnen immer mehr um ein Lernen mit dem Wandel, ein "entwicklungsbegleitendes Lernen" (Schäffter, 1998, S. 34). Dieses gleicht einem Such- und Orientierungsprozess nach dem Muster trial and error, dessen Ergebnis offen ist. Auch die Schule ist ein Ort, dieses einzuüben.
Die Betonung der Bedeutung des Lernens mit dem Wandel ist darum nötig, weil immer noch allein das Lernen für den Wandel im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Lernen für den Wandel setzt voraus, dass Richtung und Ergebnis des Wandels bekannt sind. Das ermöglicht die Entwicklung von Curricula, die bekanntes Wissen umfassen. Ein solches Lernen bleibt selbstverständlich weiterhin völlig unverzichtbar, was aber nichts von der Bedeutung des entwicklungsbegleitenden Lernens nimmt, das direkte Folge des beschleunigten Wandels ist. Dieses Lernen ist hauptsächlich selbst gesteuert und selbst organisiert und erfolgt häufig in Teams und im Prozess der Arbeit.

3.3 Lernkompetenz im Mittelpunkt

In dem allgemeinen Bemühen um Schule gibt es bereits eine Reihe von Entwicklungen, die integraler Bestandteil auch einer Club-of-Rome-Schule sind. Da ist in erster Linie das Bestreben, den Erwerb von Lernkompetenz in den Mittelpunkt schulischer Arbeit zu stellen. Lernkompetenz ist die Fähigkeit zu selbständigem Lernen, die nicht früh genug eingeübt werden kann. Es geht dabei sowohl um fachliches als auch überfachliches Lernen, das sich nicht nur in der Schule und über die Medien, sondern auch, wie bereits erwähnt, im schulischen Umfeld oder der Region vollzieht. Mit anderen Worten: Schule ist nicht der alleinige Lernort. Kompetenzen werden erworben durch praktisches Tun, das mit einer theoretischen Reflexion verknüpft ist.
Um Lernkompetenz zu fördern sind inzwischen national und international viele erfolgreiche Versuche gemacht worden, deren Ergebnisse für eine Club of Rome-Schule wichtig sind und von ihr ergänzt werden können durch die Einübung innovativen Lernens, dessen Hauptmerkmale Antizipation und Partizipation sind, auf die bereits hingewiesen wurde. Während Antizipation temporal bestimmt ist, bedeutet Partizipation das Gefühl für räumliche oder geografische Zugehörigkeit – eine entscheidende Komponente des „Globalitätssinns“. Partizipatorisches Lernen zielt auf Partnerschaft und Interaktion ab, ist aktives, gemeinsames Lernen. In ihm verbinden sich Spezialwissen und Generalwissen, Teilgebiet und Gesamtheit. Nur durch Antizipation und Partizipation können innovative Problemlösungen entwickelt werden.
Und die Club of Rome-Schule hat zugleich begreifbar und erfahrbar zu machen, dass Wirklichkeit auch Möglichkeiten der Gestaltung enthält, also dass der Einzelne, allein oder mit Anderen, etwas bewirken kann. Dafür bedarf es der Ziele und der Werte-Orientierung. Meines Erachtens können hier nicht früh genug Handlungsfelder im „Lernort Region“ eröffnet werden, in denen der einzelne Erfahrungen mit sich, seinem Lernen und seinem Handeln sammeln kann.
Auf zukünftige Wirklichkeiten, nicht nur die des Berufes, wird am besten dadurch vorbereitet, dass sich Schule den gegenwärtigen Wirklichkeiten öffnet und die erkennende, wertende und handelnde Auseinandersetzung mit diesen Wirklichkeiten dazu nutzt, individuelle und soziale Kompetenzen sich entwickeln zu helfen.

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