Für über 600 Schülerinnen und Schüler sind wir die wohnortnahe Gesamtschule und Ganztagsschule im Stadtteil, in der fast vierzig Lehrer, zwei Schulsozialpädagogen, drei Mitarbeiter in der Verwaltung sowie weitere zehn in Cafeteria, Mensa, Bibliothek und Waggonprojekt arbeiten. Unsere Bildungs-, Erziehungs- und Freizeitangebote nutzen vormittags und nachmittags in erster Linie Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil, immer stärker aber auch aus Wohngebieten in der Stadt und im Landkreis.

1. Ausgangslage

Unsere Schülerzahlen sind in den Jahrgangsstufen 6 bis 10 stabil. Wir bilden jeweils zwei Klassen im Hauptschul- und im Realschulzweig in allen Jahrgängen (eine Schubklasse im Jahrgang 9 und eine Klasse H10). Im Gymnasialzweig sind wir einzügig, erfüllen aber den  Richtwert 24 als Durchschnittszahl für alle Gymnasialklassen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Gymnasialzweig ist in den letzten Jahren angestiegen (Durchschnittsschülerzahl  aller Gymnasialklassen für 2003/04 18,0 % und für 2006/07 25,3%).

Im Schuljahr 2006/7 beginnen wir im Förderstufenjahrgang 5 mit nur drei Klassen. Für die Stabilität der Gesamtschule ist das eindeutig zu wenig. Wir sind auf eine Jahrgangsbreite von 90 bis 100 Kindern in der Förderstufe angewiesen, um die kooperative Gesamtschule stabil zu erhalten. Die Erwartung, dass zu den 73 Schülern im Laufe des Schuljahres, wie in den letzten Jahren üblich, weitere 10 Kinder hinzukommen, löst das Problem nicht eindeutig.

Warum ist die Jahrgangsbreite so deutlich gesunken?

Gründe für die Wanderbewegungen

Zahlreiche Eltern von Kindern aus den Grundschulen im Verbund Kassel Ost haben dieses Jahr für ihr Kind nicht die Eichendorff-Schule gewählt, relativ mehr als letztes Jahr.

Zwei Elterngruppen lassen sich unterscheiden.

Eltern aus Gruppe 1 bevorzugen von vornherein die Anwahl des Gymnasiums. Diese Entscheidungsrichtung liegt im allgemeinen Trend. Aber verstärkt sollen auch Kinder mit noch uneindeutiger Prognose auf Elternwunsch hin direkt zum Gymnasium gehen. Viele dieser Eltern hatten sich bereits vor den Informationsabenden festgelegt.

Eltern der Gruppe 2 wählen zwei in der Nähe liegende Gesamtschulen im Kreis Kassel an, mehr als in den letzten Jahren: Die Söhreschule (Integrierte Gesamtschule mit gymnasialer Eingangsstufe) und die Gesamtschule Kaufungen (Integrierte Gesamtschule).

Die Entscheidung für die beiden Gesamtschulen ist vorwiegend verkehrstechnisch begründet, das haben Rückfragen bei Eltern ergeben. Die Söhreschule liegt für viele Kinder wohnortnäher und ist ausgesprochen gut zu Fuß oder schnell und ohne Umsteigen mit Bus und Bahn zu erreichen. Die Gesamtschule Kaufungen ist durch die neue Regiotram für Kinder aus einem wichtigen Wohngebiet direkt und schnell anzufahren.

Die für zahlreiche Eltern mit Kindern im vierten Jahrgang sehr entscheidungsrelevante   Verkehrssituation wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern. Erst bei einer späteren Anwahl unserer Schule ab dem Jahrgang 7 spielt das bei der Schulwahl keine Rolle mehr.

Kleine Befragungen und speziell die Rückfragen in den Grundschulen haben aber auch ergeben, dass wir bestimmte Erwartungen der Eltern nicht einzulösen scheinen. Die Eltern der oben definierten Gruppe 2 suchen für ihr Kind eher eine Gesamtschule mit gymnasialer Eingangsklasse (Söhreschule) und damit gymnasialer Ausrichtung in relativ homogener Klasse von Anfang an, oder diese Eltern haben für ihre Kinder die beiden Gesamtschulen des Landkreises erklärtermaßen ausgesucht, weil sie dort von einer Schülerzusammensetzung mit geringerem Ausländeranteil und mit weniger Lern- und Erziehungsschwierigkeiten ausgehen zu können glauben.

Wir können zwar vor Ort nachweisen, dass wir die Orientierung auf einen gymnasialen Bildungsweg sehr unterstützen und sogar absichern und dass unser Schulprofil deutlich darauf abgestimmt ist, im Gefüge der kooperativen Gesamtschule und wohnortnahen Ganztagsschule allen Schülerinnen und Schülern die für sie bestmögliche Ausbildung (Lernen) und bestmögliche Erziehung anzubieten. Dabei sind die ausländischen Kinder und Jugendlichen eher ein Gewinn, dabei bleiben die Lern- und Erziehungsschwierigkeiten von wenigen Schülern eher ein konstruktives Element für das soziale Lernen und eine realistische Vorbereitung auf das Leben als Erwachsener.

Wir können auch den Schatz an sozialen Erfahrungen deutlich machen, in einem Schulsystem zu arbeiten und zu lernen, in dem Schüler sich auf die gymnasiale Oberstufe vorbereiten und andere von vornherein eine berufliche Ausbildung vorhaben.

Uns ist es aber vor allem im letzten Schuljahr zu wenig gelungen, die Kinder und Eltern zum Besuch der Schule zu bewegen, damit sie vor Ort unsere Ansprüche überprüfen und die Schule von Innen kennen lernen.

Das Hineinschauen in die Schule im Herbst und Frühjahr des laufenden Schuljahres zu erreichen, das wird das Kernziel unserer Öffentlichkeitsarbeit sein. Dabei werden wir auch stärker als bisher unterstreichen und faktisch darlegen, dass wir in der Orientierung auf die Sekundarstufe II recht erfolgreich sind.

Einen Beleg dafür, wie intensiv wir die gymnasiale Bildung unterstützen, bieten nämlich andere als die oben bereits genannten aktuellen Zahlen. Es geht um das Anwählen der Joseph-von-Eichendorff-Schule in den Jahrgangsstufen 6 bis 9. Mittlerweile kommen circa

15 % unserer Schülerinnen und Schüler aus den Gymnasien der Stadt oder wechseln aus einem integrierten Gesamtschulsystem zu uns, wenn sie dort unzufrieden oder gescheitert (Gymnasium) sind. Viele wechseln zu uns, obwohl sie gar nicht im Stadtteil wohnen. Einige Schulverweigerer sind darunter, die bei uns dann wieder Fuß fassen, mit vorzeigbaren Abschlüssen. Befragungen der Jugendlichen haben ergeben, dass viele mit dem eher auf sich allein bezogenen Arbeiten und Lernen im Gymnasium nicht zu Recht gekommen sind und von den Lehrern mehr Zeit und Zuwendung bei der individuellen Beratung erwarteten.