2. Schule für den Stadtteil
Auch wenn eine nicht unerhebliche Anzahl von Schülerinnen und Schüler aus der Stadt und aus dem Landkreis zu uns wechselt bleiben wir doch die Gesamtschule im Stadtteil und für den Stadtteil.
2.1 Bildungspotenzial
Die meisten Kinder kommen zu uns einfach weil das die wohnortnahe Schule nach der Grundschulzeit ist. Die Eltern begrüßen die Orientierungsmöglichkeit in der Förderstufe ausdrücklich. Unsere relativ hohe Zahl im Realschul- und Gymnasialzweig ab der Jahrgangsstufe 7 belegt nun, dass wir im Stadtteil - trotz hoher Abwanderung von Kindern direkt zum Gymnasium - immer noch ein hohes Potenzial an Kindern mit besten Chancen für den mittleren Bildungsabschluss auffinden.
Aus zahlreichen Gesprächen und kleinen Befragungen wissen wir, dass viele Eltern für ihr Kind die gymnasiale Laufbahn durchaus von Anfang an wünschen, es aber nicht wagen, direkt das Gymnasium anzusteuern. Weiterhin kommen zahlreiche Kinder aus Elternhäusern zu uns, wo die Frage der Bildungsgänge zu Hause gar keine Rolle spielt. Hier ist es wichtig, bei den Kindern ein Lernen wollen und die Lust auf Bildung zu wecken. Dabei spielt die Förderung in unseren neu eingerichteten Lernpraktika und in den Förder- und Intensivgruppen eine große Rolle, weil wir die Kinder dort in kleinen Lerngruppen persönlich ansprechen und in die Verantwortung für ihr Lernen nehmen können.
Einige Kinder und Jugendliche haben zunächst das Gymnasium besucht und möchten von dort wegen ständiger Misserfolge, dem langen Schulweg und einem Stundenplan mit Lücken in der Mittagszeit zu uns wechseln. Sie kehren in die Stadtteilschule zurück. Bei ihnen ist die Motivation zum Lernen und überhaupt zum „in die Schule gehen“ der zentrale Bezugspunkt unserer Arbeit.
Eine in den letzten Jahren deutlich angewachsene Zahl von Jungen und Mädchen verfügt weder in der Muttersprache noch in Deutsch als Zweitsprache über Basiskompetenzen. Diese Defizite äußern sich in vielen Fällen zunächst nicht direkt, sondern in auffälligem Verhalten und in Störaktionen der Kinder und Jugendlichen. Die fehlenden Basiskompetenzen machen sich in allen Fächern bemerkbar.
Weiterhin zeigen in jedem Jahrgang fast 15% der Kinder mit Deutsch als Muttersprache erhebliche Probleme bezogen auf elementare Sprachtechniken und ein elementares Sprachbewusstsein. Die manchmal vollständig fehlende häusliche Lesepraxis ist sicher eine wichtige Ursache dafür. Im Sinne des strategischen Ziels 2 der hessischen Schulpolitik ist die Förderung der Lesekompetenz für uns ab der Jahrgangsstufe 5 zu einer Schlüsselaufgabe geworden. Wir gehen sie an durch ein Lesetraining im Rahmen des Projektlernens, durch ein Lesekonzept, das alle Fächer in das Lesen einbezieht, also in die Verantwortung nimmt. Im Jahrgang 7 ist das Lesen sogar der inhaltliche Schwerpunkt an den Kompetenztagen.
Ein vorrangiges Ziel wird es bereits ab diesem Schuljahr sein, einen speziell auf die zuletzt beschriebenen Schülergruppen zugeschnittenen Förderunterricht anzubieten, um das Mitkommen im Unterricht zu unterstützen und den Umgang mit den spezifischen Lernerproblemen aus dem Regelunterricht auszulagern. Wir gehen davon aus, dass wir diese Schülerinnen und Schüler durch Erfolg und Motivation in der Kleingruppenarbeit zum intensiven Lernen in den Fächern hinführen können.
2.2 Die Schule als Lernort
Unsere Zahlen in den drei Schulzweigen sprechen für sich: Von 90 bis 110 Schülern im Jahrgang besuchen 25 % den Gymnasialzweig, 40 % den Realschulzweig und 35 % den Hauptschulzweig. Zudem wechselt von den Hauptschülern aus der Jahrgangsstufe 9 auch noch ein Drittel in die Berufsfachschule oder in unsere H10, um dort die Realschulprüfung zu schaffen.
Dabei ist aber zu bedanken, dass viele Kinder und Jugendlichen aus dem Stadtteil wenig Leistungsbereitschaft und Anstrengungsvermögen zeigen. Es fällt oft sehr schwer, bei den Lernprognosen ein Erreichen der Leistungsgrenzen festzustellen oder zu diagnostizieren, dass das betreffende Kind wesentlich mehr leisten könnte, wenn es nur arbeiten und lernen würde. Da tritt die geringe Wertschätzung von Bildung in vielen Elternhäusern zu Tage, da schiebt sich die Grundhaltung vieler Jugendlicher in den Vordergrund, alle Aufgaben immer nur mit dem geringsten Aufwand angehen zu wollen.
Dann ist es interessant und hoffnungsvoll festzustellen, wie sehr dieses Verhalten oft nur ein vordergründiges sich Einpassen in Schule und tägliches Unterrichten spiegelt. Wo ist der Bezug zum Leben, warum soll ich das lernen? Diese Frage ist und bleibt immer berechtigt!
Unser Ansatz, den Stadtteil zum Lerngegenstand zu machen (Erkundungen im Stadtteil, Patenschaften zur Losse, Waldlehrpfad im Eichwald, Kulturen im Stadtteil, Mitwirkung bei der Verkehrswegeplanung …), stellt diesen Bezug durchaus her - ein kleiner wichtiger Baustein.
Die zahlreichen Initiativen der Jugendlichen, ihren Schulhof zu gestalten, das Spielgelände mit aufzubauen, Pflegepatenschaften für das Schulgelände zu übernehmen, sich für neue Toiletten in der Schule zu engagieren, auch über zwei, drei Jahre hinweg, nicht nachzulassen im Fordern und Beeinflussen das alles wirft ein anderes Licht auf die Bereitschaft zur Mitverantwortung und zum direkten Engagement der Schülerinnen und Schüler.
2.3 Wohnortnahe Schule mit Serviceangeboten für die Schüler aus dem Stadtteil
Die meisten Jugendlichen erreichen die Schule zu Fuß und fast 30 % benutzen regelmäßig das Fahrrad. Die Waggonangebote am Nachmittag, Treffgelegenheiten auf dem Schulgelände, freie Gruppen, die den Schulhof nutzen (Inlinehockey, Basketball, BMX und Inliner) zeugen davon, dass die Schule den ganzen Tag ein wichtiger Begegnungsort ist.
Wir verstehen unsere Ganztagsschuleinrichtungen und unser Rhythmisierungskonzept auch als Serviceleistung für unsere Schülerinnen und Schüler, weil wir ein Frühstück bereits ab 7:00 Uhr anbieten. Fast ein Drittel der Kinder und Jugendlichen kommt ohne Brote, Obst und Getränke in die Schule. Die Frühstückspause findet bereits nach der ersten Stunde statt. Die Cafeteria ist auch in der großen Pause und in der Mittagspause geöffnet. Unsere Mensa ist bereits ausgelastet. An manchen Tagen essen mehr als einhundert Schüler. Dennoch werden wir das Angebot ausweiten und die Essenszeiten flexibler planen, weil die täglich warme Mahlzeit seit dem letzten Schuljahr eindeutig stärker nachgefragt wird.
Die Hausaufgabenhilfe und betreuung, die Tanz- und Musikgruppen am Nachmittag und der Schülertreff sind für viele Schüler zu einem festen Bestandteil ihres Wochenplans geworden.
2.4 Ganztagsschule für den Stadtteil
Die Öffnung unserer Schule in und für den Stadtteil ist mit dem Ziel verbunden, den Stadtteil mit seinen Aktivitäten und Initiativen in das schulische Leben mit einzubeziehen, d.h. eine enge Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden, Betrieben und Organisationen anzustreben, mit Stadtteilzentrum, Jugendhäusern und Jugendhilfeeinrichtungen. Das geschieht insgesamt und im Einzelnen noch zu wenig!
Wir werben dafür, dass die Kinder und Jugendlichen z. B. in die Sportvereine gehen. In diesem Sinne sind bei uns drei Vereine sehr aktiv und sogar bei Unterrichtsangeboten präsent. Die Zusammenarbeit mit Musikschule und Musikvereinen ist im Aufbau.
Darüber hinaus haben wir den Anspruch, unsere Schule als kulturelles Zentrum und Veranstaltungsort für den Stadtteil auf- und auszubauen. So öffnen wir unsere Schule beispielsweise durch die inzwischen regelmäßigen Kunstausstellungen in der schuleigenen Galerie 108 für die außerschulische Öffentlichkeit des Stadtteils, aber auch für die gesamte Stadt und die Umlandregion.
Darüber hinaus zeichnet sich dieses Schuljahr ab, dass wir unsere Schulbibliothek für den Stadtteil öffnen können, auch an Nachmittagen und zweimal am frühen Abend. Das Ziel bleibt es, den Status einer Stadtteilbibliothek zu erlangen.
Die Zahl der Abbrecher, Verweigerer und der Schüler ohne Hauptschulabschluss zu verringern, das trifft das strategische Ziel 3 der hessischen Schulpolitik. Im Kontext unseres Schulprofils weisen wir ausdrücklich einen Programmschwerpunkt aus, der auf die Problemlage zugeschnitten ist: Praktische Orientierung auf Berufsziele und Arbeitswelt. Sehr wohl die Stadtteilorientierung im Blick haben wir das Vorhaben in Angriff genommen, in unserem Schulgarten noch dieses Jahr das ehemalige Gewächshaus in eine ökologische Werkstatt umzubauen. Die Heckerschule hilft uns dabei. Kooperationen mit Stadtteileinrichtungen sind vorbereitet. Wir wollen einen Ort schaffen, in dem sich vormittags Schülergruppen im Unterricht treffen und wo nachmittags Kinder und Jugendliche auch aus dem Stadtteil von sich aus diesen Raum aufsuchen - technische und ökologische Praxis.
Ein Meister, ein Handwerker leitet die Schüler an, berät, zeigt. Hier findet keine direkte Berufsorientierung statt. Das Projekt ist mehr als Aufforderung zum Mitmachen angelegt. Die Jugendlichen können Fahrräder reparieren, sich mit Fotovoltaikfragen praktisch beschäftigen, Versuche mit der Windkraft unternehmen. Das Ganze ist als ein Kooperationsprojekt angelegt, bei dem Schule und Jugendhilfe zusammen mit weiteren Einrichtungen aus dem Stadtteil für die jungen Leute die ökologische Werkstatt unterhalten.