Werkstattunterricht

Arbeiten und Lernen wie in einem Raum, der mit dem notwendigen Werkzeug und Material ausgestattet ist. Aufträge sind zu erledigen, diese sind Teil einer speziellen Aufgabe.

Die Schülerinnen und Schüler stellen etwas her, es geht um ein eigenes Produkt. Die Verantwortung für das Produkt tragen die Jugendlichen. Kleine Arbeitsberichte
sind vorzulegen. Anhand einer Qualitätsbeschreibung überprüft ein Lernpartner die Qualität des hergestellten Produktes, dann auch Lehrerin und Lehrer. Diese beraten, leiten an, kontrollieren, vergeben Aufträge, klären Zeitvorgaben ...

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten allein, zu zweit oder in einer Kleingruppe. Dann werden Kooperationen vereinbart und verscheidene Aufgaben verteilt (z. B. Leitung, Kontrolle, Bericht).

Mehr über Konzept u. Praxis unseres Werkstattunterrichts
Vorhaben und Projekt

Projekte können kurzfristig (ein Tag) oder langfristig (z.B. Projektwoche) angelegt sein. Die Schülerinnen und Schüler haben die Planungsinitiative. Sie arbeiten in Teams. Sie halten und behalten die Veranwortung für die Ziele und für das Gelingen. Die jungen Leute beschaffen Material, regeln die Zeitplanung, dokumentieren Prozesse, reflektieren Zwischenergebnisse...

Lehrer begleiten dieses Arbeiten und Lernen. Sie moderieren, beraten und regeln, wenn sie gefragt werden, wenn Sicherheitsgesichtspunkte zu klären sind, wenn ein Scheitern, wenn kritische Entwicklungen absehbar sind.

Dieses Projektkonzept ist auch die Grundlage für unsere gebundenen und freien Vorhaben, die sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 im Rahmen ihrer Präsentationsprüfungen in der Gruppe oder in Einzelarbeit vornehmen.
Das Üben

Üben ist eine zentrale Tätigkeit. Durch Üben verstärken wir Verknüpfungen. Und diese sind das entscheidene beim Lernen.
Durch Wiederholen einer Handlung oder konkret einer Bewegung, eines Gedankengangs, einer Satzfolge festigen sich im Gehirn die Verbindungen zwischen Nervenzellen. Die Verbindungen werden stabiler.
Gelerntes bleibt im Kopf. Beim Üben eines Musikstücks wird das Spiel flüssiger. Geübte Vokabeln fallen dem Sprecher unmittelbar beim Reden ein.

Üben gehört zum Unterricht. Ein sinnvolles und effektives Üben kann man lernen:
Dazu gehört das Kennenlernen und Spüren, dass das erste Üben schnell nach dem Lernen und am besten in Phasen eingebaut (Stunde, Tag) erfolgt.
Das Üben ist als aktive Handlung intensiv, z. B. beim Wiederholen des Gelernten im Gespräch mit einem Lernpartner, einem lauten Denken, beim Überprüfen der Ergebnisse anhand eines Kontrollbogens.

Intelligentes Üben setzt auf die Eigenaktivität und fordert zu einem Verknüpfen mit vorhandenem Wissen auf. An neue Aufgabenstellungen gekoppelt wird beim Üben sogar auch neues Wissen aufgebaut.
Neue Lernformen, neue Lernkultur, kooperatives Lernen, kompetenzorientiertes Unterrichten, offener Unterricht - die Begriffsreihe ließe sich noch fortschreiben.

Alle diese Konzepte gehen auf Reformbestrebungen aus dem frühen 20. Jahrhundert zurück. Es sind also oft Wiederaufnahmen, Fortschreibungen. Im Mittelpunkt stehen Unterrichtsmethoden.

Der entscheidende Impuls für den alltäglichen Unterricht, für einen guten Unterricht, ist in unserem Konzept der "Schulreform konkret" das Vernetzen von vier Unterichtsformen. Die Methodenfrage ist wichtig, sie ist aber (hier) untergeordnet. Ebenso sammeln wir nicht Unterrichtseinheiten, deren Materialien und vorbereitete Stundenabläufe übernommen werden sollen, sondern wir richten Datenbanken ein, das sind neutral (!) abgelegte Aufgaben, Aufträge, Materialien, Hilfe-, Lösungs- und Tippblätter, Schülerergebnisse, Wissenslisten ...
Die Ablageordnung muss einfach gehalten sein.

In den hier in der Website zu findenden Beispielen für das Eigenverantwortliche Arbeiten und Lernen ist ein solcher einfacher Zugang zu finden: Drei Wissensräume (Einblicke, Informationen, Listen) genügen als didaktisches Gerüst. Alle Einheiten enthalten dann Elemente der Lehre, der Übung, der Werkstatt, des Projekts.

Selbstverständlich können im Schulalltag auch einzelne der vier Unterrichtsformen in Stunden oder Stundenblöcken den Ablauf bestimmen, also im jeweiligen Handeln und Lernen vorherrschen.

Der Grundgedanke, die Vernetzung der vier Formen als Basis für die Strukturierung von gutem Unterricht bleibt aber bestehen. Projekte in der Schule enthalten immer auch Elemente der Lehre. Das Konzept Lernen durch Lehren macht das sehr deutlich. Übungsstunden erhalten dann ihren Sinn, wenn sich die Schüler in ihrem Tun auf Gelerntes beziehen können. Mit Geschick und pädagogischem Können arrangieren Lehrer z. B. eine Übungsphase im Anschluss an eine Lehrstunde.
Uns
geht es auch darum, die Eigenständigkeit und den hohen Nutzen des Übens wieder stärker zu betonen.
Es kommt darauf an, Gelegenheiten zu einem
intelligenten Üben zu geben und dieses Üben in der Praxis abzusichern.

Der Werkstattunterricht nimmt eine Schlüsselstellung ein. Er ist ein Indikator dafür, dass Schülerinnen und Schüler in das Planen und Auswerten von Unterricht einbezogen sind, dass ein Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen als Leitgedanke und zentrale Zielsetzung den alltäglichen Unterricht durchdringt.

Die Vernetzung dieser vier Unterrichtsformen ist ein
zentraler Reformbaustein
unserer Entwicklungsarbeit.

Sie sind gleichberechtigt.
Sie sollen dabei helfen, Unterricht und Lernen ausgewogen zu strukturieren, indem die Lehrer Spielräume nutzen und indem die vier Unterrichtsformen in der Schüler-Lehrer-Kooperation als Optionen reflektiert und ausgehandelt werden.
Vier Unterrichtsformen
Lehre
Übung
Werkstatt
Vorhaben und Projekt

Die Lehre

Damit ist der klassische Unterricht gemeint, bei dem Lehrervortrag, gelenktes Unterrichtsgespräch, angeleitetes Bearbeiten von Texten, wohldurchdachte Lernschritte ... im Mittelpunkt stehen.
Das pflegen und verbessern wir!

Arbeiten und Lernen in dieser Unterrichtsform ist aber immer nur ein Teil der Tagesgestaltung und ein Teil des Unterrichts fachbezogen oder fächerverbindend!
Unser Rhythmisierungskonzept sieht eine äußere Beeinflussung der Tagesgestaltung vor, indem sich die vier Unterrichtsformen am Tag abwechseln und doch zugleich auch aufeinander bezogen sind.

Die Lehre ist unaustauschbares Unterrichtsinstrument.
Es ist aber wichtig, sie gezielt und abgestimmt auf den Schultag einzusetzen. Dann kann sie ihre Stärken ausspielen: Fachleute lehren ihr Fach professionell und um Begeisterung und größtes Engagement zu wecken.