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Schulprojekte sind nachhaltige Projekte

Schulprojekte
zeichnen sich gegenüber Projekten dadurch aus, dass sie über den Tages- und Wochenrhythmus sowie über einmalige Aktionen hinaus zu einem festen Bestandteil der Schulkultur geworden sind und in den Stadtteil hineinwirken bzw. die Zusammenarbeit mit Einrichtungen, Betrieben, Verbänden, Vereinen pflegen.

Das sind unsere Schulprojekte:
- Schulgestaltung (Bauwoche, Spielecke im Schulgarten, 70
00 Palmen)
- Toilettenprojekt ToiToiToi
- Galerie 108 - Schülergalerie in der Schule
- Schüler für Schüler aus dem Waggon
- Jugend ins Konzert
- Alles Theater

Zumindest in diesen sechs Schulprojekten stellen wir uns grundsätzlich dem Anspruch, den der Begriff "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" in die Reformdiskussion der letzten Jahre eingebracht hat. Auch der Kompetenzbegriff im Zusammenhang mit der Frage nach Bildungsstandards gehört dazu.
Nachhaltigkeit ist weniger eine Frage von Dauer und Wirkung, sondern eine Frage nach der verarbeiteten Erfahrung. Hier spielen Projekte und Vorhaben eine besondere Rolle. Wir grenzen diese von drei anderen Unterrichtsformen ab, die in Schule gleichrangig den zentralen Platz einnehmen. Vier Unterichtsformen: Lehre, Übung, Werkstattunterricht, Vorhaben/Projekte. Vor allem Lehre und Übung setzen auf Lehrpläne und Inhaltsvorgaben, um diese von den Schülern bearbeiten zu lassen. Im Werkstattunterricht und durchgängiger bei den Vorhaben und Projekten bleibt die Planungsinitiative auch bei den Schülerinnen und Schülern. Lehrer sind Lernbegleiter, moderieren, sichern ab. Die Jugendlich
en haben die Verantwortung für die Ziele und für das Gelingen. Die jungen Leute beschaffen Material, regeln die Zeitplanung, dokumentieren Prozesse, reflektieren Zwischenergebnisse...

Nachhaltigkeit bezieht sich auf die verarbeiteten Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler, diese wirken ein Leben lang nach. Das bezeichne ich als die erste Dimension von Nachhaltigkeit. In den Schulprojekten sind die
Aufgaben anwendungsbezogen gestellt. Es soll etwas Reales erreicht werden, ein Auftrag wird übernommen, selbst gestellt. Beim Umsetzen, Verwirklichen geht es also um die direkte Brauchbarkeit von Wissen für die einzelne Person. Das kann in Schulprojekten noch eher gelingen als in Unterrichtsprojekten, weil weitgehend ohne Zeitdruck und in der Interessengruppe gearbeitet wird und nach Lösungen auch experimentell gesucht werden kann.
Die zweite Dimension von Nachhaltigkeit bezieht sich auf die gesellschaftliche Perspektive. Welche Auswirkungen haben die Projektergebnisse auf die Gemeinschaft, wie lassen sich demokratische Prozesse, Einflussnahmen gestalten, wie lässt sich die Ideenkraft der Jugend ins Spiel bringen. Unsere Mitarbeit und unsere Ziele im Netzwerk der Club of Rome-Schulen sind speziell auf diese Dimension abgestimmt.
Für Schulprojekte besonders wichtig ist die dritte Dimension von Nachhaltigkeit. Was geschieht mit dem umgesetzten, verwirklichten Projekt im Schulalltag. Wer kümmert sich darum, dass beispielsweise die Toiletten so schön und sauber bleiben, dass alle Schülerinnen und Schüler sich dafür engagieren, sich damit identifizieren. Beim Toilettenprojekt übernimmt ein Schülerteam die Rolle des Motors für Bestandswahrung (Aufsicht, Handtuchdienst, Kontrolle) und Weiterentwicklung. Erfolge lassen sich täglich an den auch nach vier Jahren noch schönen Räumen ablesen und speziell daran, dass die Mädchen es ebenfalls geschafft haben, durch Eigeninitiative und nicht Nachlassen im Fordern und Umsetzen, eine ebenso schöne, mit gestaltete und mit finanzierte Toilettenanlage zu erhalten.

Die Galerie 108, das Waggonprojekt und das Toilettenprojekt ToiToiToi sind bezogen auf die drei Dimensionen besonders vorzeigbare und auch systematisch interessante Beispiele.

Abschließend und pointierend ist die folgende Aufstellung angelegt.
Nachhaltige Schulprojekte lassen sich - bezogen auf die Unterscheidung in die vier Unterrichtsformen Lehre, Übung, Werkstatt, Vorhaben/Projekt - von Werkstattunterricht und Projekten anhand von zumindest fünf Kriterien abgrenzen:

1. Ein Schulprojekt hat für die ganze Schule eine Bedeutung und wirkt langfristig in den Unterricht und in das Schulleben hinein.
2. Schulprojekte bauen eine stabile Zusammenarbeit zwischen Schule und Stadtteil bzw. mit Einrichtungen, Betrieben, Vereinen, Verbänden, dem Staatstheater ... auf.
3. In Schulprojekten arbeiten Schülergruppen langfristig, teilweise mehr als ein Jahr lang, festigen Traditionen, pflegen und erweitern die Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen.
4. Die Projektergebnisse werden nicht nur einmalig, sondern mehrfach bzw. über einen Zeitraum präsentiert. Interessenten aus Schulgemeinde und z.B. Stadtteil nutzen die Angebote, sie können sich beteiligen.
5. Die Ergebnisse werden öffentlich vorgestellt. Die Jugendlichen produzieren für einen definierten Zweck, der Aufwand - Nutzen Überlegungen umsetzt.

In Schulprojekten ist die Chance angelegt, handlungsorientierte Lernprozesse zu evaluieren und die Bedeutung von Wissen für die Kinder und Jugendlichen als Maßstab in Erfolgszuschreibungen einzubeziehen.


Jürgen Fischer, Oktober 2008